MotoGP-Testfahrer: So funktioniert der Top-Job in der Königsklasse

Am 13. August 2016 hat die KTM RC16 das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Beim ersten Rollout am Red Bull Ring ist Alex Hofmann auf dem Bike gesessen, als KTM-Testfahrer war er einer der Geburtshelfer der neuen „Wunderwaffe in der MotoGP“. Der frühere Top-Rider (unter anderem bei Pramac Ducati) fährt bis heute Funktionstests für KTM und hat als einer der ersten die RC16 in der Version 2020 fahren dürfen. Wie funktioniert eigentlich der Job als Testfahrer? Das verrät Alex Hofmann im Interview.

MotoGP-Bikes sind ganz speziell auf ihre Fahrer abgestimmt. Als Testfahrer muss man aber das Bike für jemand anderen „erfinden“ – wie kann das gelingen?

Das ist gar nicht so komplex, wie es klingt. Natürlich hat jeder Fahrer sein eigenes Setup, aber was jeder Fahrer braucht, ist eine Basisfunktionalität. Ein perfekt ausbalanciertes Bike funktioniert für alle – für Spätbremser, für Beschleuniger, für große und kleine Fahrer. Die Aufgabe eines Testfahrers ist es, diese Zauberformel zu finden. Die Rennfahrer können darauf aufbauend das Bike auf ihren Fahrstil anpassen.

Was muss ein Fahrer können, um ein guter Testfahrer zu sein?

Die Teams brauchen dafür erfahrene Hasen, die auf sehr hohem Niveau unterwegs sind. Sie brauchen aber keinen Marc Márquez, der mit seinem Supertalent um alle Probleme herumfahren kann. Ein Testfahrer muss vor allem sehr konstant sein und jede Runde auf gleichem Niveau abliefern, damit die Daten auslesbar und vergleichbar sind.

Was passiert dann „on track“?

Im Normalfall fährt man jeweils vier oder fünf Runden. Wichtig ist dabei: Man muss konstant fahren und sich als Fahrer jeden wichtigen Moment oder jeden kleinen Rutscher konkret merken, um den Ingenieuren sagen zu können, wo sie bei den Daten genauer hinschauen müssen. Dafür braucht man ein extrem gutes Fahrgefühl und man muss es auch beschreiben können. Am besten sind Testfahrer, die herausfiltern können, ob ein Problem auf die Mechanik, die Elektronik oder die Reifen zurückzuführen ist.

Was passiert nach den fünf Runden?

Man fährt in die Box und die Ingenieure beginnen mit den Änderungen. Das Testprogramm wird Punkt für Punkt abgearbeitet. Wenn es ums Chassis geht, wird zum Beispiel die Schwinge auf Position x oder y verstellt und der Testfahrer geht wieder raus. Diese Tage sind durchgetaktet wie ein Schulunterricht von 9 bis 18 Uhr. Es gibt einen vorgegebenen Plan, was getestet werden soll und wie lange die Ingenieure Zeit für die Veränderungen haben.

Wie lange hält man als Fahrer diesen Rhythmus auf hohem Niveau durch?

Man gewöhnt sich daran und irgendwann beginnt man es sogar zu genießen, ganz alleine auf der Strecke zu sein. Manchmal ist man tagelang ohne Referenzwerte von anderen Fahrern auf der Strecke unterwegs und dadurch lernt man das Bike viel besser zu verstehen. Ich bin durch das Testen zu einem besseren Rennfahrer geworden… leider erst nach meiner aktiven Zeit.

Du bist als einer der ersten mit der KTM RC16 in der Version 2020 gefahren. Wie war da dein Gefühl?

Das war von Anfang an ein positives Gefühl. Der Unterschied zu den Vorgängermodellen ist signifikant, ich wollte draufsitzen, attackieren und bin richtig gierig aufs Fahren geworden. Dieses Bike ist einfach wow!

Auch Dani Pedrosa ist 2020 am Red Bull Ring schon als KTM Factory Racing Testfahrer im Einsatz gewesen. Wir waren mit dabei:

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