Gottfried Grasser: Der Motorsport ist bei uns wirklich im Herzen drinnen

Die Rückkehr der Fans ist für das Grasser Racing Team die „Portion Extra-Motivation“ beim Heimrennen am Red Bull Ring (17. – 18. Oktober). Wir haben mit Teamchef Gottfried Grasser über die Zukunft des GT3-Sports, den möglichen Sieg am Spielberg und den aberkannten Sieg am Sachsenring gesprochen. Im Interview erklärt der Knittelfelder außerdem, warum die Ausnahmesaison 2020 sein Team noch stärker gemacht hat.

Das Grasser Racing Team hat den ersten Sieg der Saison wegen einer umstrittenen Zeitstrafe am Sachsenring verpasst. Was bedeutet das für das Rennen am Red Bull Ring? Es steht ja sogar der Ausstieg aus der Rennserie im Raum…

Wir starten auf jeden Fall, denn grundsätzlich geht es nur um eines unserer Autos, das mit der Startnummer 63. Der ADAC hat uns angeboten, noch einmal über den Vorfall zu sprechen. Das wird im Nachhinein nicht viel bringen, denn Ergebnis ist Ergebnis. Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir mit 3 Autos fahren, weil es unser Heimrennen ist, aber es muss auch etwas ändern. Alles können wir uns nicht gefallen lassen, es ist in letzter Zeit leider viel Negatives passiert in dieser Serie…

Normalerweise ist das Heimrennen ein Highlight der Saison, mit welcher Motivation kommt das Grasser Racing Team jetzt zum Red Bull Ring?

Mit der gleichen Motivation wie überall: Wir wollen natürlich gewinnen, das ist die Basis unseres ganzen Rennteams. Das tolle dabei ist, dass der Red Bull Ring die schönste Strecke der Saison ist, auf der wir Rennen fahren. Und ich schlafe in meinem eigenen Bett, das ist bei unserem Reisekalender auch einmal ganz nett.

Am Red Bull Ring gibt es die Rückkehr der ersten Fans. Ist das ein Schritt in eine gute Richtung?

Es ist ein erster Schritt in die Normalität, Gott sei Dank. Wir müssen uns beim Red Bull Ring und den Behörden bedanken, dass das überhaupt möglich wird. Es ist etwas Wunderbares, dass endlich wieder ein paar Fans kommen können. Das war nicht einmal bei der Formel 1 möglich und freut uns umso mehr.

Die Rennen in den Vorjahren haben gezeigt, dass der Red Bull Ring und der Lamborghini Huracán gut zusammenpassen.

Ja, das passt super zusammen. Wir haben 2015 und 2017 gewonnen und waren im letzten Jahr zweiter. Es läuft ganz gut für uns am Red Bull Ring. Letztes Jahr war es etwas schwieriger, weil wir mit einem neuen Auto klarkommen mussten, das wir mittlerweile aber im Griff haben. Wenn wir alles geben, können wir in diesem Jahr gewinnen. Das Publikum ist für uns dabei die extra Motivation.

Das Grasser Racing Team hat in diesem Jahr alle Cockpits neu besetzt. Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung des Teams?

Ganz zufrieden! Albert Costa Balboa, unser neuer Werksfahrer im 63er-Auto, ist ein extrem talentierter und sympathischer Spanier. Ein toller Fahrer. Franck Perera liefert als zweiter Werksfahrer auch immer. Mit Steijn Schothorst und Tim Zimmermann haben wir zwei neue Fahrer im 82er-Auto, die unter die Top 5 fahren und in Hockenheim sogar Pole geholt haben. Ich hätte niemals mit solchen Ergebnissen gerechnet. Erfreulich ist es natürlich auch Clemens Schmid mit an Bord zu haben – ein Tiroler im österreichischen Team. Ich bin sehr zufrieden, das funktioniert alles super.

Clemens Schmid / ©Philip Platzer

Clemens Schmid ist seit 2016 der erste Österreicher bei euch im Team. War das eine gute Entscheidung?

Ja, eine sehr gute Entscheidung. Wir arbeiten gerne mit Clemens zusammen und denken auch schon an die Zukunft. Er hat ein kleines Handicap, weil er einen „Junior“ im Auto hat, der sich noch etwas schwertut, und ihm im Gesamtergebnis ein paar Punkte kostet. Aber Clemens ist ein guter Fahrer, und mich freut es, einen Österreicher im Team zu haben. Es ist ja nicht so leicht im eigenen Land gute Fahrer zu finden.

Also ihr plant mit Clemens Schmid auch mittelfristig?

Sogar langfristig, aber in welche Richtung es in der Zukunft geht, wissen wir noch nicht. Im GT3-Sport wirbelt Gerhard Berger etwas herum. Wir müssen jetzt schauen, wie sich das Thema entwickelt, wie es machbar und logischerweise finanzierbar ist. Das Baby, das da kommt, hat natürlich einen wunderschönen Namen, aber schauen wir einmal…

Das Grasser Racing Team ist offen fürs Zuhören und neue Wege?

Offen sind wir auf jeden Fall. Ich glaube, jedes GT3-Team ist bei diesem Namen einmal offen und gewillt zuzuhören. Die DTM kann ja gut vermarkten, das wissen wir alle und logischerweise würden die Pläne für die GT3-Fahrzeuge eine große Bühne öffnen. Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass es eine GT3-Serie ohne Fahrerwechsel wäre, was es weltweit bislang nicht gibt. Die Serien sind bisher so aufgebaut, dass je nach Rennlänge 2 bis 4 Fahrer pro Auto zum Einsatz kommen. Das ist dann eine Frage der Finanzierbarkeit, denn GT3-Sport lebt natürlich auch von den vielen Fahrern im Auto. Da müssen wir jetzt abwarten.

Das Grasser Racing Team ist derzeit auf Platz 7 in der Gesamtwertung. Was geht da noch in dieser Saison?

Puuh… da müssen wir den Rennleiter fragen, weil ohne Strafe wären wir schon auf Platz 3. Aber alles ist möglich, wir hatten ja gerade erst Saisonhalbzeit. Es geht jetzt Schlag auf Schlag mit Rennen an jedem zweiten Wochenende bis in den November und jetzt kommen die Strecken, die uns besonders liegen. Unser Ziel war es, mit dem Sieg am Sachsenring Punkte aufzuholen und dann die Führung zu übernehmen. Der Meistertitel ist mit der Strafe leider ein schwieriges Thema geworden, aber Top 3 muss sich ausgehen.

Kannst du der außergewöhnlichen Saison 2020 auch etwas Positives abgewinnen?

Ja, den Zusammenhalt. Wir haben keinen einzigen Ausfall bei den Kunden, und vom Werk bis zu einzelnen Sponsoren zieht einfach jeder mit. Das zeigt, dass der Motorsport wirklich in den Herzen drinnen ist. Außerdem verbringt man durch den dicht gedrängten Rennkalender noch mehr Zeit mit seinen Teamkollegen. Es ist interessant zu sehen, wie das alles zusammenschweißt. Ich bin einfach froh, dass wir solche Mitarbeiter haben, die hinter dem Team stehen, wirklich alles durchdrücken und Vollgas geben, damit wir unsere Ziele erreichen. Das sehe ich alles sehr positiv bei der ganzen Corona-Geschichte.

Das klingt fast so, als ob das Grasser Racing Team noch stärker aus der Ausnahmesaison 2020 herauskommen könnte…

Auf jeden Fall. Bei uns laufen die Planungen schon auf Hochtouren. Schön wäre es, wieder mit 4 Autos an den Start zu gehen.

Ams
Ams
Frutura
Hofer
Mitsubishi Motors
My World
Neuroth
Rauch
Red Bull
Steiermark

Newsletter

Bitte füllen Sie die Felder unterhalb aus, um sich für unseren Newsletter anzumelden.

Vielen Dank. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail, um Ihre Anmeldung zu bestätigen.
Ich bin ein Firmenkunde.
Ich abonniere den Projekt Spielberg Newsletter und möchte regelmäßig über Neuigkeiten, Angebote und Events von Projekt Spielberg informiert werden. Sollte ich meine Meinung ändern, kann ich mich jederzeit unter office@projekt-spielberg.com wieder abmelden. Ich stimme der Nutzung meiner persönlichen Daten gemäß Datenschutzrichtlinien zu.